Nach etwas mehr als einem Jahr mit eigener Photovoltaikanlage dachte ich, die größten Überraschungen hinter mir zu haben. Die Technik läuft stabil, die Erträge sind bekannt, und auch mein Verbrauchsprofil – inklusive Wärmepumpe – fühlt sich inzwischen gut verstanden an.
Und doch zeigt der Vergleich des ersten Quartals 2026 mit dem ersten vollständigen PV‑Quartal 2025, wie schnell sich das Gesamtbild ändern kann. Die nüchternen Zahlen erzählen eine klare Geschichte – und diesmal ist der Hauptdarsteller nicht die Technik, sondern das Wetter.
Die Ausgangslage: gleiche Anlage, andere Realität
Alle Daten zur Anlage findest du hier
Heizung vollständig über Wärmepumpe
Keine relevanten Änderungen an Haus, Technik oder Nutzerverhalten
Kurz: Kein technischer Umbau, kein neues Verbrauchsmonster, kein Messfehler.
Und trotzdem unterscheiden sich die Quartale wirtschaftlich massiv.
Der Blick auf die Energiedaten: Symptome, keine Ursachen
Vergleicht man Q1 2025 und Q1 2026 rein energetisch, fällt sofort auf:
PV‑Produktion: −15 %
Gesamtverbrauch: +3,5 %
Eigenverbrauch: −20 %
Netzbezug: +46 %
Wirtschaftlicher Ertrag: −38 %
Das ist kein kleiner Ausschlag, sondern eine merkliche Verschlechterung – und genau an diesem Punkt wäre es verlockend, an der Anlagenauslegung, am Speicher oder am eigenen Verhalten zu zweifeln.
Bevor man das tut, lohnt sich allerdings ein Blick auf eine oft unterschätzte Variable: das Wetter.

Der Verbrauch 2025

Und 2026 im Vergleich. Der Zusätzliche Netzbezug ist deutlich sichtbar.
Wettervergleich Q1 2025 vs. Q1 2026: die entscheidenden Unterschiede
Ich habe die offiziellen SPARTACUS‑Klimadaten für meinen Standort ausgewertet – konkret Temperatur, Sonnenscheindauer und Niederschlag für Jänner bis März 2025 und 2026.
Sonnenschein: die Erklärung für den geringeren PV‑Ertrag
Über das gesamte erste Quartal hinweg hatte Q1 2026 rund 14 % weniger Sonnenschein als Q1 2025. Das ist bemerkenswert – vor allem, weil sich dieser Rückgang fast exakt in der PV‑Erzeugung widerspiegelt.
Besonders auffällig war der Februar 2026, der extrem sonnenarm ausfiel. Genau dieser Monat hat in meinen Energiedaten ein deutliches Produktionsdefizit hinterlassen.
Weniger Sonne = weniger PV‑Ertrag
Das ist banal, aber wichtig: Der Rückgang ist klimatologisch vollständig erklärbar und kein Hinweis auf technische Probleme.

Der Ertrag im ersten Quartal 2026. Deutlich zu sehen ist der geringe Ertrag im Februar.

Im Vergleich dazu 2025, da gab es im Februar sogar nennenswerte Einspeisung
Temperatur: warum die Wärmepumpe mehr Strom brauchte
Noch spannender ist der Blick auf die Temperaturen:
Der Jänner 2026 war deutlich kälter als im Vorjahr (−2,3 °C vs. +0,4 °C).
Über das gesamte Quartal betrachtet ist der Temperaturunterschied zwar klein, aber Heizenergie ist nicht linear.
Für eine Wärmepumpe bedeutet ein kalter Jänner:
längere Laufzeiten,
schlechtere Leistungszahlen (COP),
höherer Stromverbrauch genau dann, wenn die PV am wenigsten liefert.
Der leicht höhere Gesamtverbrauch in Q1 2026 passt sehr gut zu diesem Heizprofil.
Niederschlag: nicht der Hauptfaktor, aber ein Verstärker
Der insgesamt niedrigere Niederschlag in Q1 2026 klingt zunächst positiv, ist aber trügerisch. Monatlich betrachtet gab es Phasen mit viel Bewölkung und wenig direkter Einstrahlung – vor allem im Februar.
Für eine Ost/West‑Anlage im Winter heißt das:
weniger nutzbare Einstrahlung,
stärker ausgeprägte Ertragseinbrüche,
kaum Pufferwirkung durch den Speicher.
Warum gerade die Kombination so problematisch ist
Jeder der oben genannten Effekte für sich wäre beherrschbar. Das Problem entsteht durch ihr Zusammenspiel:
kälterer Winter ⇒ mehr Heizstrom
weniger Sonne ⇒ weniger PV‑Ertrag
geringe zeitliche Überlappung ⇒ hoher Netzbezug
Das Ergebnis ist genau das, was sich in meinen Zahlen zeigt:
sinkende Autarkie,
deutlich weniger Eigenverbrauch,
steigende Stromkosten,
stark fallender wirtschaftlicher Ertrag.
Die Anlage funktioniert – aber sie arbeitet im Winter schlicht gegen die Physik.
Was die Daten nicht zeigen (und das ist wichtig)
Genauso wichtig wie die Erklärung ist das, was sich nicht aus den Daten ableiten lässt:
keine Hinweise auf einen Defekt,
keine Messfehler,
keine falsche Dimensionierung,
kein außergewöhnliches Fehlverhalten meinerseits.
Die Verschlechterung in Q1 2026 ist kein technisches Problem, sondern ein systemischer Effekt aus Wetter + Wärmepumpe + Winter.
Fazit: PV ist ehrlich – und gnadenlos datengetrieben
Der Vergleich zeigt sehr klar:
Q1 2026 war spürbar sonnenärmer und im Jänner deutlich kälter als 2025.
Genau das erklärt sowohl den geringeren PV‑Ertrag als auch den höheren Stromverbrauch der Wärmepumpe.
Photovoltaik ist kein Garant für stabile Quartalsergebnisse – sie verstärkt saisonale Effekte, sie glättet sie nicht. Wer mit PV und Wärmepumpe heizt, muss akzeptieren, dass Winterquartale wirtschaftlich die Schwachstelle bleiben.
Ausblick: Warum ich trotzdem dabei bleibe
Im Sommer erhöht das kommende E‑Auto den Eigenverbrauch massiv.
Tarifoptimierungen wirken stärker, wenn die PV wenig liefert.
Und über das Jahr betrachtet bleibt die Gesamtbilanz positiv.
Aber eines habe ich gelernt:
Ohne detaillierte Datenanalyse macht man sich im PV‑Bereich schnell etwas vor.
