Vor ziemlich exakt zwei Jahren wurde auf unserem Dach die heißersehnte PV-Anlage errichtet. Basierend auf unserem Verbrauch der Vorjahre und der Annahme, dass wir mittelfristig 2 E-Autos mit 30.000 k Laufleistung und ca. 15 kWh/100 km Verbrauch brauchen würden, kam ich auf einen Gesamtbedarf von 9.000 kWh/Jahr. Angesichts der Ost-/West-Ausrichtung des Daches bedeutete das in der Folge eine Anlagengröße von 10.230 kWp. Dazu ein 11 kWh Speicher um einen verregneten Herbsttag oder die Nacht zwischen 2 sonnigen Wintertagen zu überbrücken. Internetrechner prophezeiten mir, trotz Wärmepumpe, mit diesem Setup zwischen 60 und 80 % Autarkie. Und mit optimistischen Rechnungen ging ich von Jährlichen Einnahmen durch Stromverkauf von ca. 410 € (OeMAG) und 879 € Ersparnis beim Strom aus. Nach nun zwei Jahren Betrieb, kann ich sagen das war alles Bullshit. Aber lest selbst.
Ertrag
Der Ertrag blieb (leider) beide Jahre hinter den Erwartungen deutlich zurück. Gerade einmal 7.900 kWh wurden im ersten Jahr produziert, im Zweiten waren es dann 7.990 kWh. Dies ist deutlich weniger als die erwarteten 9.000 – 10.000 kWh. Ursachen sind zum einen wohl die „steile“ Ausrichtung meines Dachs (33°) welche dazu führt, dass im Winter nie beide Dachflächen in der Sonne liegen und auch im Sommer ein ausgeprägter Knick in der Leistungskurve erkennbar bleibt. Dazu kam das Wetter. November 2024 bis Januar 2025 waren in meiner Region (Kremstal) extrem sonnenarm. Nebel und Hochnebel hatten uns fest im Griff und selbst gegenüber dem langjährigen Mittel hatten wir z.b. im November2024 nur die Hälfte der üblichen Sonnenstunden. Hinzu kamen ausgeprägte Regen/Schlechtwetterphasen im Mai und im Juli 2025. Im Winter 2025/2026 war zwar der November deutlich besser, dafür lag an allen schönen Dezembertagen Schnee auf der Anlage und der Februar war extrem sonnenarm.

Die Erzeugung im Jahresgang. Man sieht den deutlichen Einbruch im Dezember 2025

Aber der Verlauf der Sonnenstunden passt ganz gut dazu. Bis auf den Schnee im Januar, der trotz Sonne die Produktion verhinderte.
Verbrauch
Leider ist mein Stromverbrauch im Haus im ersten Betriebsjahr um gut 10%, im zweiten um weitere 4% gestiegen. Die Gründe sind hier etwas unscharf. Da ich mit der PV-Anlage gleichzeitig den separaten Zähler für die Wärmepumpe aufgegeben habe, tappe ich da etwas im Dunkeln. Schaut man sich allerdings die Monatlichen Durchschnittstemperaturen, vor allem im Winter im Vergleich an, so stellt man fest, dass vor allem November, Dezember und Januar in den letzten beiden Jahren messbar kälter waren, als in den Jahren zuvor. Und im Jahr 2025 der Mai, im Jahr 2026 der April ebenfalls deutliche Ausreißer nach unten bei der Temperatur waren. Die Temperatur kann also teilweise eine Erklärung sein.

Die deutliche Zunahme des Verbrauch im Januar fällt direkt auf

Es war aber auch der kälteste Januar der letzten Jahre
Seit letztem Jahr Saugt natürlich auch das E-Auto noch an der Stromleitung. 3.555 kWh (2025: 5109 kWh) hat es sich bereits genehmigt. Das fällt natürlich auf, wenn gleichzeitig 5.358 kWh im Haus verbraucht werden, ich also noch nicht einmal mit nur einem E-Auto das angestrebte Ziel von rechnerischer Selbstversorgung erreiche.
Autarkie
Nun, leider hatte ich für Autarkie so ziemlich die beschissenste Kombination die ich brauchen konnte. Ein dunkler Winter mit ausgeprägten Kaltphasen führte natürlich dazu, dass gerade dann, wenn die Wärmepumpe aktiv war, am wenigsten Strom zur Verfügung stand. Aus 60 – 80% theoretischer Autarkie laut Internet wurden reale 56% im letzten und 42 im laufenden Jahr. Deutlich weniger als erhofft. Die Ursachen sind natürlich die gleichen wie schon zuvor, das Wetter, da zum Zeitpunkt des höchsten Verbrauchs, der wenigste PV-Strom erzeugt wurde.
Wirtschaftliche Aspekte
Die Einnahmen aus Verkauf im abgelaufenen „Geschäftsjahr“ (August 2025-Juli 2026) betrugen etwa 256 € (2025: 270€) und blieben damit weit hinter den Erwartungen zurück. Hier retteten mich höhere Strompreise seitens der OeMAG über die verringerte Einspeisung hinweg.
Bei den Minderausgaben für Strom stehen mit ~862 € eine ähnliche Zahl, wie ursprünglich erhofft. Allerdings war das ohne E-Auto gerechnet. Grund war dabei auch, dass ich im Oktober letzten Jahres den Stromtarif gewechselt habe und seither statt 29 ct/kWh nur noch 22ct/kWh bezahle. Angesicht eines Anlagenpreises von 17.800 € bleibt also am Ende eine Rendite von 5,94 % und so gesehen eine Amortisationszeit von 16,82 Jahren. In diesem Jahr. Rechne ich die Zahlen des letzten Jahres dazu (5,21% Rendite und 19,2 Jahre Amortisation) bleiben immer noch 18 Jahre Amortisation. Ich hatte auf eine kleinere Zahl gehofft.
Hätte ich stattdessen das Geld in eine Sonderzahlung für den Haukredit investiert, wären mir allerdings nur Zinszahlungen in Höhe von ~760 € im ersten und 610 € im zweiten Jahr erspart geblieben. Rechne ich hinein, dass Zinseszinsen anfallen würden und ich aber meine gesamten Einnahmen im letzten Jahr in eine Sondertilgung gesteckt habe, kommen kumulierte Einnahmen von 1988€ zusammen denen fiktive Zinsersparnisse von 1395 € gegenüberstehen. Hier schneidet die PV also klar besser ab.
Ausblick
Wie bereits festgestellt, habe ich mein Ziel rechnerischer Selbstversorgung nicht erreicht. Zum einen braucht das Auto mehr Strom als Modelliert, aber auch der Hausverbrauch liegt eben 800 kWh höher, als in meinen Referenzjahren, in denen ich besonders milde Winter hatte. Aus diesem Grunde denke ich darüber nach, die Anlage durch ein Balkonkraftwerk auf der Garage zu ergänzen. Dessen Südausrichtung sollte hoffentlich auch im Winter den Ertrag messbar erhöhen.
Wie sich die geänderten Netzgebühren (Bemessung nach höchster Viertelstundenleistung, auch fürs Einspeisen) ab dem kommenden Jahr auswirken, kann ich vermutlich erst im Spätherbst modellieren.
Um die Einnahmenseite zu verbessern, muss ich aber auch das Projekt „Beitritt zu einer Energiegemeinschaft“ endlich in Angriff nehmen. Und ich möchte angesichts meiner nun zur Verfügung stehenden genaueren Daten, auch einmal durchrechnen, ob variable Tarife für mich in Frage kämen. Macht zwar das Rechnen schwieriger, aber am wichtigsten ist am Ende, dass der Geldbeutel ähm das Konto voll bleibt.

Die Gegenüberstellung von Prognose und realen Messwerten macht besonders deutlich, wie stark Winterwetter und neue Verbraucher die Bilanz verändern. Für das geplante Süd-Balkonkraftwerk wäre eine monatsweise Zusatzprognose spannend: Wie viel käme gerade von November bis Februar hinzu, wenn die Wärmepumpe den Strom benötigt? Eine separate Verbrauchsmessung der Wärmepumpe könnte außerdem helfen, Witterungseinfluss und geändertes Nutzungsverhalten in der nächsten Jahresbilanz auseinanderzuhalten. Transparenz: Dieser Kommentar erfolgt für solar-experten.info.
Einiges davon ist tatsächlich geplant. Schaut immer wieder vorbei und bleibt auf dem Laufenden
Bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung wäre eine zusätzliche Vergleichszeile hilfreich: dieselbe selbst verbrauchte PV-Menge einmal mit 29 und einmal mit 22 ct/kWh bewerten. Der günstigere Netzstrom senkt rechnerisch den Wert des Eigenverbrauchs, obwohl er die Haushaltskasse insgesamt entlastet. So ließen sich Wettereffekt, zusätzlicher Verbrauch durch das E-Auto und Tarifwechsel besser auseinanderhalten. Für den geplanten Vergleich variabler Tarife wäre außerdem gerade das zeitliche Profil des verbleibenden Netzbezugs interessant. Transparenz: Dieser Kommentar erfolgt für stromversorgung.biz.
Das Stimmt, das werde ich in Zukunft berücksichtigen.
Mit meinem alten Tarif gerechnet hätte ich 1058,05 € durch den Eigenverbrauch gespart. Also gute 200 € mehr.
Zum Thema zeitlicher Verlauf: Die Daten habe ich, da wird in Zukunft etwas kommen zu diesem Thema.