(Bitte verzeiht mir das KI-veränderte Titelbild, aber ich hatte im Regen schlicht vergessen, ein neues Foto zu machen und wusste mir nicht besser zu helfen)
Wie hier im Archiv (und auch auf Reddit) nachzulesen, war ich schon zwei Mal auf längerer Fahrt mit meinem Renault 5 eTech unterwegs (Auf die Alb und an den Bodensee). Von daher stellte ich mir die Frage, ob ich wirklich noch einmal einen derartigen Bericht verfassen soll. Aber irgendwie war es dieses Mal doch so anders, dass ich mich entschieden habe, das Ganze aufzuschreiben. Nicht, weil es so spektakulär war, sondern weil es eben so angenehm normal war – und ich euch zeigen will, dass es gar nicht mal so kompliziert sein muss, mit einem E-Auto längere Strecken zu fahren.
Die Ausgangslage
Nachdem ich bereits zwei längere Fahrten mit Kermit hinter mir hatte und die Spritpreise hartnäckig hoch bleiben, entschloss ich mich, das alljährliche Wanderwochenende mit Kermit in Angriff zu nehmen. Hin und zurück 660 km – sollten ja kein Problem sein.
Die Recherche fiel dieses Mal kurz aus. Ich beschloss, mich auf EnBW- oder Ionity-Lader zu beschränken, und stellte fest, dass ich am Hinweg entweder knapp hinter Kufstein (Ionity) oder in Innsbruck (EnBW smart) stoppen müsste – und dass jeweils das mittlere Abo diesmal die beste Wahl wäre. Den Rest ließ ich auf mich zukommen. Hatte ja bisher auch immer geklappt.
Anreise
Der Freitagmorgen war recht frisch. Aber mit Wanderschuhen, Bergschuhen, Wanderstöcken und einem gepackten Rucksack im Kofferraum machte ich mich um 5 Uhr in der Früh auf den Weg – die Kollegen aus Karlsruhe waren schon um 4:30 Uhr losgefahren. Ausgemacht war, sich um 8:30 Uhr in Scharnitz zu treffen. Sollte also alles passen.
Kermit war auf 100 % geladen (exakt 10 Minuten vor Abfahrt, genau wie geplant) und die Reise ging los. Auf die Westautobahn in Richtung Salzburg ging es, abwechselnd zwischen Nieselregen und Wolkenbruch. Das Auto wollte einen Ladestopp bei Rosenheim vorschlagen, was mir zu früh vorkam, sodass ich gleich beschloss, diesen zu ignorieren. Es ging nämlich von einem Verbrauch aus, der mir – trotz der Tatsache, dass ich im Mittel bergauf fuhr, bei niedrigen Temperaturen und durch den Regen erhöhtem Rollwiderstand – einfach zu hoch vorkam.
Und siehe da, ich hatte Recht. Schon als ich die deutsche Grenze überquerte, prognostizierte das Auto, dass ich in Rosenheim noch 25 % Ladung im Akku hätte. Definitiv zu früh zum Laden. Ich ignorierte also die Aufforderung, auszufahren, und wechselte auf die Autobahn in Richtung Kufstein. Das Navi wollte aber immer noch zurück zum Lader, der nun hinter mir lag, und plante bei jeder weiteren Ausfahrt, an der ich vorbeifuhr, munter zurück – bis es irgendwann beschloss, ich solle doch in Kufstein in der Stadt parken. Ich ignorierte es weiter und fuhr schließlich in die Raststation Angath. Ich wäre zwar gerne bis Innsbruck weitergefahren, aber die Restreichweite im Vergleich zur Entfernung nach Innsbruck laut Schildern ließ das nicht zu.
In Daten schaut das Ganze so aus:
240 km gefahren, 44,2 kWh bis hierhin verbraucht – 18,2 kWh/100 km. Regen und Kälte sind echt ein Arsch. Zum Vergleich: Auf der Sommertour im Mai lag ich deutlich darunter. Zusätzlich habe ich auch in Summe 1234 hm anstieg bewältigt und 1024 hm wieder verloren. Auch das ist in Summe eher schlecht für den Verbrauch

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Ich benutze diese App um eben Fahrdaten zu einzelnen Fahrten zu erheben, wie hier in diesem Artikel, aber auch um zusammenfassende Daten zu erheben, in Ergänzung zu meiner eigenen Datensammlung. Auch Ladedaten kann ich mit dieser App prima erfassen. Wenn ihr daran interessiert seid, Daten über euer eigenes Auto zu erfassen, dann kann ich euch diese App wirklich wärmstens empfehlen. Es funktioniert leider nur mit Android Automotive OS (Vollständige Liste hier).
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Der Plan: Anstecken, pinkeln, noch einen Kaffee holen, kurz mit meinem Chef telefonieren (es war mittlerweile 7:45 Uhr) und dann geht’s weiter. Die Realität wollte da aber nicht mitspielen …
Da es regnete, ging es also los. Erst einmal die App starten – zuletzt gebraucht Ende Mai, auf der letzten langen Fahrt. Die App will ein Update. (Warum sie das nicht längst über Google Play gemacht hat, weiß ich nicht.) Nach dem Update: „Bitte logge dich neu ein und lege ein neues Passwort fest.“ Oida, ich will nur laden, aber okay, meinetwegen. Danach noch einmal die Bankdaten bestätigen – und ich bin endlich in der App drin. Schaut aus wie vor dem Update. Okay. Ladesäule auswählen (die Nummer steht ja drauf), aussteigen, anstecken, warten, bis die Kommunikation aufgebaut ist. Das Display wird nass. Kommunikation aufgebaut, wir könnten laden – Vorgang abgebrochen. Der nächste Versuch endete ebenso.
Ich wechselte also die Säule. Zunächst hieß es: keine Verbindung. Okay, Userfehler – ich hatte versehentlich die Nachbarsäule ausgewählt, vor der ich kurz gestanden war, dann aber doch noch einmal gewechselt hatte, weil das Auto daneben wegfuhr und ich so den eActros an den drei Säulen (davon zwei Langsamlader – der gab sich also Mühe) weniger behinderte. Im vierten Versuch klappte es dann endlich mit dem Laden. In der Zwischenzeit hatte ein Ioniq 5, nachdem er zuvor mit einer anderen Säule ebenfalls Probleme gehabt hatte, an meiner ursprünglichen Säule geladen. Vielleicht war also doch das Wasser auf dem Display das Problem. Oder was weiß ich. Jedenfalls war es nervig – und ein Dach wie bei jeder Tankstelle hätte das Problem vermutlich gelöst.
Aber das Auto lud also, und ich konnte mich den übrigen Dingen widmen. Ein Sprint in die eigentliche Rastanlage, weil der Regen immer schlimmer wurde. Dort meine Geschäfte erledigt. Sprint zurück zum Auto und (mittlerweile 8:20 Uhr) mein Telefonat geführt.
Nach knapp einer halben Stunde Laden war ich dann bei guten 80 % und beendete den Vorgang – auch, weil ich grob überschlagen mit etwa 50 % in Scharnitz ankommen würde.
Die übrige Hinfahrt über die Inntalautobahn verlief ereignislos. Da durchgehend nur 100 km/h erlaubt sind, habe ich sicher noch etwas Strom gespart, und so war ich um 9 Uhr unten am Zirler Berg. Den es im Schritttempo hinaufging – aber nicht wegen eines Defekts an meinem Auto oder mangelnder Leistung meinerseits, sondern weil jemand mit einem LKW auf die Idee gekommen war, eine Route mit gut 15 % Steigung zu wählen. Na gut, es ist ja nicht verboten.
Um 9:35 Uhr parkte ich das Auto schließlich hinter dem Café, das als Treffpunkt ausgemacht war, und löste den Parkschein. Ohne den LKW oder ohne das Drama, dass ich 15 Minuten gebraucht hatte, um endlich laden zu können, wäre ich pünktlich gewesen …
Auch für diesen Abschnitt hier die wichtigsten Daten:
94,2 km gefahren, 16,9 kWh verbraucht, was einem Verbrauch von 17,9 kWh/100 km entspricht. Das ganze mit einem Höhengewinn von etwa 860 hm, von denen allerdings 392 wieder verloren wurden. Wieder war der Verbrauch, verglichen mit meinem Bodenseeausflug eher auf der hohen Seite.

Das Wochenende im Karwendel
Nach einem kräftigenden Frühstück ging es dann bergan. Ohne Kermit, der hatte jetzt Pause, dafür mit meinen alten Freunden der DLRG OG Durlach. Den Freitag begannen wir mit 16 km Wanderung inklusive 800 hm Aufstieg und beendeten ihn bei Essen und ein paar Bier auf dem Karwendelhaus.
Am Samstag gab es dann für die fitteren von uns, zu denen ich mich auch zähle, eine 1200 hm, 12km lange Gipfeltour über die Ödkarspitzen auf die Birkarspitze. Eine echt tolle und lohnenswerte, aber auch sehr anstrengende Tour. Und wieder am Karwendelhaus angekommen, ließen wir auch diesen Tag mit Essen und Bier ausklingen.
Den Abschluss am Sonntag bildete eine Tour mit nur 140 hm im Anstieg, dafür dann 900 hm Abstieg mit 21 km Länge. Aber wir mussten ja wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück und wollten uns noch anschauen, wo unsere 2 Kollegen am Vortag falsch abgebogen waren.
Die Rückfahrt
Am Sonntag gegen 14:30 Uhr waren wir wieder unten. Nach drei Tagen mit vielen Höhen-, aber auch Kilometern waren meine Oberschenkel und Waden ziemlich im Eimer. Wir tranken noch eine gemeinsame letzte Runde (ich – wie die meisten – alkoholfrei, ich musste ja noch fahren) und ab ging die Post. Ab nach Hause.
Der Ladestand war zwar über das Wochenende von 50 % auf ca. 45 % gesunken, was aber vermutlich am nun kälteren Akku lag – und ein wenig Kriechstrom ist normal. Lustig war dann, dass ich beim Auffahren auf die Autobahn wieder denselben Akkustand hatte wie am Start. Rekuperation ist was Tolles!
Wieder war mein Navi nervös. Es wollte mich wieder in Angath laden lassen. Hätte mir eigentlich auch gut gepasst, aber man vergaß nach dem Befahren des Rasthofes, irgendwo weiter zu beschildern, wo die Ladesäulen sind. Also wieder auf die Autobahn – auch, weil ich noch gute 30 % Akku hatte und Laden noch gar nicht dringend erforderlich war.
So staute ich mich über die Grenze, mit immer neuen Vorschlägen, wo ich doch bitte DRINGEND laden könnte. Ein Blick auf die Restreichweite sagte mir aber, dass ich theoretisch noch bis Salzburg käme. So dringend konnte das Laden also noch gar nicht sein. Ein während des Staus gewagter Blick in die Ionity-App hatte mir verraten, dass ich an der Raststätte Samerberg, nahe Rosenheim, eine Ionity-Station finden würde. Die passte mir eigentlich ganz gut. (Und auch meinem Auto dann irgendwann.)
Ich steckte das Auto also an, diesmal ohne Probleme, und humpelte los. Auf halbem Weg zur Raststätte meldete das Handy plötzlich, die Ladung wäre abgebrochen. Ob die Schweden, die nebenan geladen hatten, an meinem Kabel gewackelt haben, oder eventuell mein Display in der Hosentasche nicht ausgeschaltet war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
Jedenfalls zurückgehumpelt, das Auto neu angesteckt, sichergestellt, dass das Display aus war, und wieder losgehumpelt. Diesmal konnte ich alles erledigen, was ich erledigen wollte. Zurück am Auto dann noch eine Kleinigkeit gegessen und meine gestressten Muskeln gedehnt sowie kurzen Smalltalk mit einem Schweizer gehalten, der sich für Kermit interessierte – und dann ging es schon wieder weiter.
Das Auto war dabei felsenfest der Meinung, ich müsste noch einmal laden. Ich nicht. Ich war mir sicher, dass ich – selbst, wenn ich mit dem prognostizierten Ladestand an der geplanten Ladestation vorbeifahren würde – noch heimkäme, wenn auch nur knapp. Das Auto war aber der Meinung, ich käme dann mit −2 % an.
Nachdem ich die ganze Zeit bei Sonne unterwegs gewesen war, zog es dann hinter Salzburg langsam zu, und bei Mondsee fing es wieder an zu schütten. Aber egal, immerhin waren wir beim Wandern trocken geblieben. Als ich an der von meinem Auto ausgesuchten Station vorbeifuhr, hatte ich noch 26 % Ladung – anstelle der prognostizierten 11 %. Ich fuhr also weiter. Und statt mich einfach nach Hause fahren zu lassen, wollte das Auto, dass ich unbedingt noch einmal lade. Tat ich natürlich nicht – und stellte das Auto mit 17 % in der Garage ab.
Das Schöne daran: Ich muss dem Bordcomputer nicht glauben, ich habe die realen Zahlen. Laut Aximote-App lag die tatsächliche Effizienz auf der Rückfahrt deutlich über der Prognose meines Autos. Meine Fahrdaten sind genauer als die Prognose des eigenen Fahrzeugs – genau dafür nutze ich die App auf jeder Langstrecke.
Auch hier die Auswertung der Fahrdaten:
334 km ins 4h 35 Minuten, 47 kWh verbraucht was 14,1 kWh/100 km entspricht. Die Werte der Hinfahrt wurden also deutlich unterboten. 1408 hm bergauf stehen dabei diesmal 2081 hm bergab entgegen. Sicherlich ein Thema, was neben den höheren Temperaturen deutlich geholfen hat beim Verbrauch.

Fazit
Längere Strecken mit modernen Elektroautos sind schlicht kein Problem. Zwar nervt der Ladekartendschungel und die Tatsache, dass man nicht einfach hinfährt, die Kredit-/Debitkarte vorhält und zu angemessenen Preisen laden kann – aber selbst wenn man sich auf ein bis zwei Ladeanbieter mit Abo beschränkt, geht es eigentlich recht entspannt.
Und die Moral von der Geschichte: Die Prognosen des Autos sind vorsichtiger als die Realität. Wer ein bisschen eigenen Verstand und echte Fahrdaten mitbringt, kommt entspannt und ohne Notladestopp durch.
Wie sind eure Erfahrungen? Verlasst ihr euch auf die Ladeprognosen eures Autos, oder habt ihr die auch schon mal überlistet? Schreibt es mir in die Kommentare!

1 Kommentar zu „Mit Kermit zum Wandern – Laden wird normal. Ein weiterer Renault 5 eTech Langstrecken Erfahrungsbericht“