Photovoltaikdaten im September – Herbstgold statt Herbstrasen

Nach zwei Monaten mit „Natürlichen Schwankungen“ nach unten konnte ich im September endlich wieder einen Zählerstand feiern, der in die richtige Richtung geht. Die stabile Datenerfassung hat gehalten, und da ich diesmal auch die Tageswerte im Detail unter die Lupe genommen habe, kann ich zum ersten Mal nicht nur sagen, wie viel die Anlage geliefert hat, sondern auch, an welchen Tagen sie geliefert hat. Wie immer analysiere ich PV-Ertrag, Stromverbrauch, wirtschaftliche Kennzahlen und die offiziellen SPARTACUS-Wetterdaten. Eckdaten der Anlage findet ihr wie immer hier. Und wer wissen will wie alles funktioniert und warum mein E-Auto Strom nicht im Haus mitgemessen wird wird hier fündig.

Die harten Zahlen: Energie & Geld

PV-Ertrag

Mit 777,8 kWh ist der September 2026 der beste September seit ich die Anlage habe – und das gleich deutlich: +99,9 kWh bzw. +14,7 % gegenüber September 2025 (677,9 kWh) und +86,0 kWh bzw. +12,4 % gegenüber 2024 (691,8 kWh). Auch gegen den Durchschnitt der drei Vergleichsjahre (715,8 kWh) liegt der Monat um +8,7 %. Ein kleiner Trost für die durchwachsene Jahresbilanz: Gegen die eigene 3-Jahres-Prognose (754,7 kWh) wurde der September mit +3,1 % sogar übertroffen. Zum Vergleich mit dem Vormonat: von den 1.064,3 kWh im August bleiben 777,8 kWh – ein Rückgang um 26,9 %, der aber rein saisonal bedingt ist (dazu unten mehr).

Sep 2024Sep 2025Sep 2026Ø 3 Jahre
Erzeugung (kWh)691,8677,9777,8715,8
Einspeisung NETZ OÖ (kWh)482,6350,8362,5398,6
Bezug NETZ OÖ (kWh)56,5141,4110,1102,7
Hausverbrauch (kWh)247,1220,8223,6230,5
E-Auto (kWh)–224,5266,4–
Eigenverbrauch (kWh)190,5303,9379,9291,5
Alle Daten 2026 auf einen Blick. Auffällig, die hohe Erzeugung und konsequenterweise auch geringer Bezug

Stromverbrauch

Der Hausverbrauch liegt mit 223,6 kWh nahezu exakt auf Vorjahresniveau (220,8 kWh) und auch im 3-Jahres-Schnitt (230,5 kWh) bewegt sich nichts Nennenswertes. Das E-Auto hingegen brauchte 266,4 kWh und damit 41,9 kWh bzw. 18,7 % mehr als im Vorjahr. Wie ihr nächste Woche nachlesen könnt, bin ich aber auch deutlich mehr gefahren. Gesamtheitlich bedeutet das 490 kWh gegenüber 445,4 kWh im Vorjahr (+10 %). Gegenüber dem heißen August (238 kWh Haus + 290 kWh Auto = 528 kWh) ist der Gesamtverbrauch um 38 kWh bzw. 7 % gesunken – die Monoblock-Klimaanlage im Dachgeschoss lief also kaum mehr, was angesichts von 17,1 °C Monatstemperatur auch nicht verwundert.

Im Vergleich 2025. Weniger Erzeugung, weniger Eigenverbrauch, ähnliche Einspeisung

Eigenverbrauch & Einspeisung

Der Eigenverbrauch stieg auf 379,9 kWh (2025: 303,9 kWh) – dank E-Auto wieder ein Rekordwert für einen September. Die Einspeisung (NETZ-OÖ-Zählerdaten) lag mit 362,5 kWh über dem Vorjahr (350,8 kWh), blieb aber klar unter 2024 (482,6 kWh), als es schlicht weniger Eigenverbrauchsabnehmer gab. Die Autarkie verbesserte sich von 68,2 % auf 77,5 % – noch immer keine 100 %, und das aus dem altbekannten Grund: nach wie vor kein funktionierendes Energiemanagement, und so musste ich an ein paar trüben Tagen Strom zukaufen. Der Bezug stieg zwar im Vergleich zum sommerlichen August (19,4 kWh), fiel aber gegenüber dem Vorjahresmonat von 141,4 auf 110,1 kWh.

Und 2024. Ebenfalls weniger Erzeugung, aber weil ich das E-Auto noch nicht hatte weniger Eigenverbrauch und mehr Einspeisung

Wirtschaftliche Kennzahlen

Die Stromkosten beliefen sich auf 38,00 €, wovon allein 13,42 € Grundgebühren sind. Der bezogene Strom kostete also faktisch 24,58 € – deutlich weniger als die 54,12 € Energiekosten im September 2025. Der Unterschied steckt diesmal doppelt: Die Bezugsmenge sank von 141,4 auf 110,1 kWh, und der Preis pro bezogener kWh fiel von 28,7 ct (18,84 ct Arbeitspreis + 9,88 ct Netz) auf 22,3 ct (12,24 ct + 10,08 ct).

Das Highlight des Monats ist der Einspeiseertrag: Mit 36,86 € habe ich fast das Doppelte des Vorjahreswerts (20,67 €) erreicht. Grund ist die finale Einspeisevergütung von 10,168 ct/kWh – ein Sprung um 73 % gegenüber dem September 2025 (5,892 ct/kWh). Die 362,5 kWh Einspeisung wurden damit erstmals wieder zu einem Preis vergütet, der sich sehen lassen kann. Die Sommer-Tiefpreise der Juli/August-Abrechnung (5,9–6,8 ct) gehören damit der Vergangenheit an.

Die Ersparnis durch den Eigenverbrauch betrug 84,79 € (2025: 87,29 €) – der Rückgang trotz höherem Eigenverbrauch erklärt sich daraus, dass die Ersparnis pro selbst verbrauchter kWh mit rund 0,22 € (Arbeitspreis + Netzentgelt) um 0,07 € geringer ist als letztes Jahr.

In Summe standen 121,66 € auf der Habenseite (36,86 € Einspeiseertrag + 84,79 € Ersparnis) bei 38,00 € Kosten – ein Nettosaldo von +83,66 €. Zum Vergleich: Im September 2025 standen 107,96 € Einnahmen 67,61 € Kosten gegenüber, also nur +40,35 €. Wirtschaftlich war dieser September damit mehr als doppelt so gut wie der Vorjahresmonat und das mit Abstand beste Septemberergebnis seit Bestehen der Anlage. Im Jahresranking bleibt er dennoch hinter den sonnenreichen Monaten Mai bis August zurück – das fünftbeste Nettoergebnis des Jahres. Der Grund ist einfach: Eine eingespeiste kWh bringt mit 10,2 ct noch immer weniger als halb so viel wie eine selbst verbrauchte (22,3 ct).

Kosten und Erträge im September 2026. Der Eigenverbrauch haut richtig rein und pusht die Wirtschaftlichkeit der Anlage

Der Monat im Tagesrhythmus – neu in diesem Bericht

Weil die Tagesdaten diesmal durchgehend sauber vorlagen, habe ich den September auf Tagesebene aufgeschlüsselt. Im Schnitt hat die Anlage 25,9 kWh pro Tag erzeugt. Der Monat teilte sich dabei in drei sehr unterschiedliche Phasen:

  1. Sommerende (01.-08.09.) Acht kräftige Tage, davon fünf über 30 kWh.
  2. Die Flaute (09.–17.09.): Eine Woche Durchhangwetter mit vier Tagen um die 13–15 kWh, die auch den Speicher leerte.
  3. Goldener Herbst (18.–30.09.): Eine bemerkenswert stabile Schlussphase mit fast täglich 20–34 kWh.

8 Tage über 30 kWh stehen 6 Tagen unter 20 kWh gegenüber. Die Spannweite zwischen bestem und schlechtestem Tag beträgt fast den Faktor 2,8 – damit war der September der gleichmäßigste Erntemonat seit Mai.

Tagesgenaue Aufschlüsselung der Erträge und Verbräuche. Die drei Phasen sind schön erkennbar

Der beste Tag: Sonntag, 06. September

Mit 37,4 kWh Erzeugung der Spitzenwert des Monats: 31,7 kWh Einspeisung, nur 1,16 kWh Bezug, eine Tagesautarkie von rund 83 % – und mit 5,97 € Ersparnis der wirtschaftlich beste Tag des Monats. Ein Klassiker: sonniger Sonntag, kaum Hausverbrauch, Speicher voll, alles ins Netz. Fast schon peinlich-demonstrativ zeigt der Tag, was die Anlage bei blauem Himmel im September noch kann.

Der beste Tag im September. Schön zu sehen, wie morgens das Auto teilweise erst aus dem Speicher, dann aus dem Netz und schließlich von der PV-Anlage geladen wird, dann der Speicher wieder geladen wird und dann leider mein beschissenes Energiemanagement zuschlägt und die Einspeisung auf Autoladeniveau kappt. Und in der Nacht dann noch einmal Auto laden. Da wäre noch mehr drin gewesen.

Ehrenvolle Erwähnung: der 07.09. brachte mit 15,9 kWh die höchste gemessene Netzeinspeisung des Monats, und der 25.09. (29,7 kWh Erzeugung bei nur 4,5 kWh Bezug) erzielte mit 0,58 € den höchsten Tages-Einspeiseerlös.

Der schlechteste Tag: Freitag, 11. September

Nur 13,4 kWh Erzeugung bei 8,9 kWh Verbrauch – gerade einmal 6,9 kWh Einspeisung, ein Einspeiseerlös von 0,37 € und eine Ersparnis von 1,46 € (Tagesminimum). Der Tag hatte aber Konkurrenz: Der 24.09. landete bei identischen 13,4 kWh, und der 10.09. war wirtschaftlich der eigentlich schmerzhafte Tag – 2,96 kWh Bezug trieben die Tageskosten auf 5,84 €, der einzige Tag mit deutlich negativem Tagessaldo (rund −2 €). Es ist dasselbe Muster wie im August: ausgerechnet an den trüben Tagen musste das Auto geladen werden, weil der Speicher leer war. An einem einzigen derartigen Tag verliere ich dabei mehr Geld, als ich an zwei guten Tagen einspeise.

Der schlechteste Tag im September. In der Nacht das Auto aus dem Netz laden, bevor ich dann auf meinen Wanderausflug gestartet bin, Nur kurze Sonnenphasen in denen dann der Speicher geladen wurde, aber immerhin genug, damit abends gekocht werden konnte, ohne dass der Speicher komplett leer wurde.

Ursachenanalyse

Temperatur

Mit 17,1 °C im Mittel war der September 2026 geringfügig wärmer als die beiden Vorjahre (16,7 °C und 16,5 °C) und auch über dem 10-Jahres-Mittel von 16,4 °C. Für die Module war das der ideale Bereich – kühl genug für gute Wirkungsgrade, zu kühl für den Klima-Heizbedarf des Hauses. Der Effizienzverlust der Hitzemonate spielte praktisch keine Rolle mehr.

Sonnenscheindauer

Mit 210,2 Sonnenstunden war es der sonnigste September der Messreihe der letzten drei Jahre – +54,5 h bzw. +35 % gegenüber 2025 (155,7 h) und +31,6 h gegenüber 2024 (178,6 h). Auch der 10-Jahres-Schnitt (189,8 h) wurde klar geschlagen. Damit erklärt sich der Ertragsrekord im Wesentlichen von selbst.

Interessant ist der Blick auf die Effizienz: 3,70 kWh pro Sonnenstunde – der schlechteste Wert der drei Jahre (2024: 3,87; 2025: 4,35; 3-Jahres-Mittel: 3,98). Der September hat also mehr, aber „schwächere“ Sonnenstunden geliefert: flacherer Sonnenstand, mehr diffuse Anteile und die bekannte Neigung zu Morgennebel im oberösterreichischen Zentralraum, die gerade die Ost-Module frühabends trifft. Die Masse hat es diesmal gerissen – die Klasse hat gegenüber dem Vorjahr sogar leicht abgenommen. Mein Verdacht aus dem August-Bericht, dass die Temperatur-Moduleffizienz hier eine Rolle spielt, ist damit vorerst entkräftet: bei 17 °C Umgebungstemperatur kann das nicht der Hauptfaktor sein. Der Vergleich der Globalstrahlung und der Verteilung der Sonnenstunden über den Tag bleibt als nächster Analyseschritt auf meiner Liste.

Schlussfolgerung

Ich bin zufrieden – zum ersten Mal seit dem Juli wieder richtig. Der September hat gezeigt, dass auch 2026 liefern kann, wenn das Wetter mitspielt, und die Tagesanalyse liefert mir erstmals saubere Ansatzpunkte: Das Geld liegt nicht mehr in der Einspeisung, sondern in der Vermeidung der trüben-Tage-Bezüge. Mit einem funktionierenden Energiemanagement wären die 5,84 € vom 10.09. weitgehend vermeidbar gewesen. Die Herbstprognose bleibt trotzdem nüchtern: Für Oktober erwarten meine Modelle nur noch rund 494 kWh bei 411 kWh Hausverbrauch – der erste netto-negative Monat des Winters steht also vermutlich unmittelbar bevor.

Aktuelle Prognosen für Ertrag, Ladestrom, Eigenverbrauch und Hausverbrauch und Bezug basierend auf Historischen Daten und aktuellem Wetterbericht

Ärgernisse

Das Energiemanagement des Solax-Wechselrichters bleibt die alte Baustelle. Das externe Energiemanagement per Rasperry Pi ist nun offiziell meine wichtigste Baustelle – der 10.09. hat es in Zahlen gegossen. Immerhin: Der September zeigt mit der Dreiphasen-Struktur des Monats (Sommerende, Flaute, Altweibersommer), dass ich für die trüben Phasen einen vollen Speicher bräuchte, nicht einen cleveren Algorithmus. Der Mehrwert des Umbaus ist also kleiner als gedacht, aber er ist nicht null.

Positives

Die Datenqualität bleibt auf hohem Niveau: Alle 30 Tage lagen vollständig und tagesaktuell vor, sowohl von der eigenen Messung als auch vom Netzbetreiber. Die Tagesanalyse in diesem Bericht wäre mit den Datenlücken des Frühlings nicht möglich gewesen. Und der September 2026 ist der erste Monat seit April, der sowohl die Erwartung als auch das Vorjahr in der Erzeugung schlägt. Hoffen wir, dass der Altweibersommer-Ausläufer auch dem Oktober noch etwas mitgeben.

Und ihr?

Wie immer gilt: Die Zahlen sind das eine, eure Erfahrung das andere. Mich würde interessieren:

  • Wie sieht bei euch der Ertrag der Übergangsmonate aus? Gerade September/Oktober sind ja die Monate, in denen der Unterschied zwischen „PV lohnt sich“ und „PV lohnt sich nicht“ oft am Eigenverbrauch hängt.
  • Habt ihr ein Energiemanagement, das funktioniert? Wenn ja: welches? Gekauft vom Hersteller? Homeassistant? oder doch Homebrew?

Schreibt mir eure Erfahrung in die Kommentare – ich lese alles und antworte in der Regel innerhalb weniger Tage.

Nächsten Monat geht es übrigens spannend weiter: Dann steht der erste echte „Wintermonat“ an, in dem die Prognose zum ersten Mal seit April wieder unter dem Verbrauch liegt – seid gespannt, ob der Goldene Oktober dem September nochmal Konkurrenz macht.

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