Renault 5 E-Tech – Erfahrungsbericht im Alltag: 1 Jahr später – was wirklich überzeugt (und was nervt)

(Transparenzhinweis: Ich bin Aximote Ambassador und profitiere persönlich, wenn ihr über meinen Link die App kauft. Dafür bekommt auch ihr 10% Rabatt)

Vor drei Wochen widmete ich mich der Verbrauchs- und der finanziellen Seite des Fahrens eines E-Autos, genauer gesagt meines Renault 5, Kermit. Heute soll es hingegen allgemeiner um die guten und schlechten Seiten gehen. Was nervt? Was ist toll? Und will ich doch wieder zum Verbrenner zurück? Weniger datengetrieben, aber hoffentlich doch auch für den ein oder anderen spannend.

Pluspunkt 1 – Die Ruhe

In meinem alten Seat konnte ich während dem Fahren nur Musik hören. Der Motor und andere Nebengeräusche waren so laut, dass ich um einen Podcast wirklich zu verstehen, Alles so laut drehen musste, dass ich das schlicht nicht ausgehalten habe und mir das dann insgesamt zu laut wurde.

Im Skoda, den wir ja auch noch haben, ist das zwar etwas besser, aber auch hier gibt es Tage, an denen ich die notwendige Lautstärke um Sachen wirklich zu verstehen und mich nicht nur berieseln zu lassen nicht aushalte.

In Kermit kenne ich dieses Problem nur, wenn ich mit hoher Geschwindigkeit durch Regen fahre. Beim normalen fahren, egal ob in der Stadt, Überland oder auf der Autobahn, ist das Auto so leise, dass ich auf Lautstärke 17-20 quasi alles verstehe. Hintergrundmusik zur Berieselung höre ich zwar eher auf 12, aber 20 kann ich ohne Probleme längere Zeit aushalten.

Vergleiche zu aktuellen, höherklassigen Fahrzeugen habe ich leider nicht, aber hier erwarte ich mir eigentlich ein noch leiseres Fahrerlebnis.

Hier möchte ich aber auch kurz einen Tipp geben: Hört euch den „Geladen“-Podcast des Excelenzcluster POLIS an. (Eine Gemeinschaftsproduktion des KIT und der Uni Ulm) Hier bekommt ihr Informationen sowohl zur Batterieforschung, als auch zu Energiewende und E-Auto-Themen.
Und nein, ich bekomme nichts für diese Promotion.

Pluspunkt 2 – Standklima

Wer kennt es nicht. Es ist Sommer, es ist heiß und der Partner will nur schnell noch irgendwo was einkaufen. So ein Auto heizt sich dabei extrem schnell auf, während man wartet. Mit den meisten E-Autos, so auch mit Kermit aber kein Problem. Einfach die Zündung anlassen und ohne schlechtes Gewissen oder das Risiko einer Anzeige wegen unnötigem Laufenlassen des Motors, einfach die Klimaanlage genießen.

Funktioniert im Übrigen auch mit der Heizung im Winter.

Pluspunkt 3 – Vorklimatisierung

Vor allem im Winter gab es zwischen mir und meiner Frau vereinzelt Streit darum, wer jetzt mit welchem Auto fahren darf. Der Grund, Kermit war in der Früh beim Start in die Arbeit warm. Ich habe einfach über die App den Befehl gegeben, dass das Auto um kurz nach 7 bereit und warm sein soll. Funktioniert aber auch im Sommer, wenn ich dem Auto einfach sage, dass ich für meine Fahrt zum Mittwochstauchen das Auto gerne um 17 Uhr auf 22 – 24°C gekühlt hätte. Was man allerdings nicht verschweigen darf, wenn es wirklich kalt ist braucht diese Funktion auch gerne Mal 1 kWh.

Auch spontane Trips sind kein Problem, da ich die Funktion auch jederzeit in der App direkt aufrufen kann. Das reicht dann noch ziemlich genau zum Schuhe Anziehen und noch eine Runde mit den Hunden gehen, dann ist es schön warm oder kalt, wie gewünscht.

Die Funktion geht nicht nur wenn das Auto am Strom hängt, sondern auch so. So kann man bei Schneefall auch schon kurz vor Feierabend die Heizung starten und das Auto ist warm und teilweise abgetaut. Was will man mehr.

Einziger Wermutstropfen dabei ist, dass das Aufrufen in der App nur für 15 Minuten funktioniert und nicht einstellbar ist. Diese Funktion ist nämlich auch praktisch, wenn man nach der Arbeit die Hunde dabeihat und trotzdem noch Einkaufen muss. Aber ein 15 Minuten Timer im Telefon, welcher einen daran erinnert die Klima neu zu starten löst dieses Problem.

Screenshot aus der Renault-App mit Einstellungen zum Vorkonditionieren des Autos sowie der Ladezeitplanung

Pluspunkt 4 – Ich bin der Star der Nachbarschaft

Der Retrolook von Kermit, die altbekannte Form und die Wiederaufnahme des Namens führten, wie vermutlich vom Hersteller beabsichtigt, zu zahllosen positiven Kommentaren. Quasi alle 55+ Nachbarn fragen mich zu diesem Auto und in der Folge oft auch zu Elektromobilität im Allgemeinen aus. Man kommt ins Gespräch, und der ein oder Skeptiker wurde schon überzeugt, sich zumindest mal mit E-Autos zu beschäftigen.

Aber auch bei jüngeren kommt das Auto richtig gut an. Leute, die sogar jünger sind als ich, der als Kind zumindest die alten Renault 5 hin und wieder im Straßenverkehr gesehen hat. Die Kombination aus poppiger Farbe und gefälliger Form scheint viele Leute anzusprechen. Nicht umsonst gehört das Auto zu den am meisten verkauften Fahrzeugen in Europa und Renault muss die Produktion sogar ausweiten.

Ich habe bislang noch nicht einen negativen Kommentar zu diesem Auto bekommen. Sogar von Leuten, die die Marke eigentlich nicht mögen. Zu letzteren zählte ich mich bis zum Erscheinen des Renault 5 e-Tech auch. Daran waren sicherlich auch unsere schlechten Erfahrungen mit einem 2013er Clio Grandtour schuld. Aber alle Kritikpunkte an diesem hat Renault mit diesem Auto ausgemerzt. Gut gemacht.

Pluspunkt 5 – Endlich ein modernes Auto

Der Ibiza, war zwar erst Baujahr 2015 und damit für manche schon ein moderner Elektronikbomber, aber wenn man noch ein neueres Auto im Fuhrpark hat und gelegentlich auch für die Firma mit neueren Poolcars und Mietwagen unterwegs ist, stellt man bald fest, dass sich da oft mehr tut, als man denkt.

An erster Stelle stehen dabei für mich klar die LED-Scheinwerfer anstelle der tranigen Halogenfunzeln, mit denen mir vor allem an trüben Herbstabenden mit Nebel echt Angst und Bange wurde, da man gefühlt NICHTS gesehen hat. Jetzt ist es doch deutlich entspannter. Und die volle Lichtautomatik, die auch das Auf- und Abblenden übernimmt ist ebenfalls eine echte Erleichterung im Herbst und Winter, wenn man doch bei Dunkelheit oft noch bei ziemlich viel Verkehr unterwegs ist.

Ebenfalls erwähnen möchte ich den Abstandstempomaten, der einem im Stadtverkehr und auf Autobahnen oft hilft, da man nicht krampfhaft ständig das Tempo anpassen muss, nicht mit den Pedalen fahren muss und trotzdem sicher am Ziel ankommt. Und er funktioniert einfach. Zumindest meistens. Nicht bei Schnee auf Radar und Kamera, wie ich im letzten Winter leider auch feststellen musste. Aber er fährt ja auch klassisch mit den Pedalen.

Und auch die verschiedenen Fahrmodi sind echt cool. Im Sportmodus einen Porsche an der Ampel stehen lassen, oder im Eco-Modus bei Schnee mit einer extrem progressiven Gaspedalmap das Fahrzeug feinfühlig kontrollieren. Beides geht super. Oder ganz entspannt im Komfortmodus über die Landstraße cruisen.

Natürlich hat er auch alle vorgeschriebenen Sicherheitsfeatures wie einen Notbremsassistenten, Spurhalteassistent, Geschwindigkeitswarner und Müdigkeitswarner. Wobei der erste leider mit Phantombremsungen auffällt, der zweite gerne mal ins Feld oder in den Gegenverkehr lenken will (vor allem im Nebel), die anderen beiden sind hingegen weit weniger nervig, als oftmals dargestellt.

Last but not Least möchte ich auch die Vernetzung des Fahrzeugs erwähnen. Die App gibt dabei Info zu Kilometerstand, Ladestand und einigen Einstellmöglichkeiten. Und darüber hinaus gibt es auch weitere Apps, welche als Helferlein zum Beispiel Fahrten aufzeichnen, Ladekurven ausgeben und allerlei Tipps und Tricks rund ums Fahren geben.

Hier ein weiterer Tipp von mir: Ich benutze für diese Themen die App Aximote. Mit je einer App auf dem Android Auto OS im Auto und einer auf meinem Handy. Ich bekomme Auswertungen und Vorschläge, meinen Fahrstil zu verbessern und jede Menge Fahrzeugdaten, welche ich auch in zukünftigen Blogartikeln noch verwenden möchte.

Screenshots aus der Aximote App, Daten zu meinen Fahrten und zum Auto selber

Minuspunkt 1 – Ladetarifdschungel

Zwar lade ich zu über 90% zuhause, also günstigen PV-Strom, aber immer kann man es eben nicht vermeiden, auch mal auswärts laden zu müssen.

Fährt man einen Verbrenner, so weiß man dann, dass eigentlich alle Tankstellen in einem Ort sich meist um weniger als 10% im Preis unterscheiden. Außerdem kann man mit Rabatt- oder Kundenkarten vielleicht noch einmal 2ct/Liter sparen.

Mit einem E-Auto schaut es ganz anders aus. Ad-Hoc-Laden mit Kredit- oder Debitkarte ist zwar mittlerweile meistens möglich, aber zu Preisen, die einfach nicht in Ordnung gehen. Das können auch mal 0,89€/kWh sein. Für denselben Strom, den ich an der gleichen Ladesäule für 0,39 €/kWh bekommen kann, wenn ich einfach 11,99 €/Monat bezahle. Aber wehe ich will mit der falschen Karte irgendwo bezahlen, dann kostet es auf einmal mehr als AdHoc. Da soll irgendwer durchblicken…

Meine Forderung: Zwischen dem billigsten und dem teuersten Tarif an derselben Säule dürfen nicht mehr als 5 oder 10% liegen und die normale Debit- oder Kreditkarte muss nicht nur akzeptiert werden, sondern sollte das bevorzugte Zahlungsmittel sein. Apps und Kundenkarten geben lediglich Rabatt. Wie beim Tanken eben auch.

Minuspunkt 2 – Laden bei Wind und Wetter

Gerade erst auf einer Fahrt passiert. Ich muss Laden, genau wenn der Wolkenbruch kommt. Der Regen tropft aufs Display des Handys, welches ich zum Bezahlen brauche (Siehe Minuspunkt 1), in die elektrischen Kontakte und am Ende brauche ich 3 Anläufe bis es endlich klappt und bin angepisst.

Oder im Sommer, die Klimaanlage kämpft bei über 30°C mit der Abwärme des Akkus um die Ladeleistung hoch zu halten. Und ich fühle mich beim Weg von Säule zur Toilette schon halb durchgegart.

Warum zur Hölle, dürfen Verbrennerfahrer unter Dach tanken und wir müssen im Regen stehen?  Dabei könnte man auf Das Dach der Ladestationen sogar PV-Zellen integrieren, die Stützakkus für die Schnelllader in die Stützen des Daches und man hätte eine Win-Win-Situation geschaffen. Und am besten noch den ganzen Supermarkt- oder Raststättenparkplatz mit PV-zugekleistert, dann gibt’s billigen Strom und ALLE können im Schatten parken.

Das so etwas prinzipiell geht zeigen die Starmovie-Kinos in Oberösterreich. Und gleichzeitig wäre es weniger umstritten als Agri-PV oder Freiflächen-PV. Also wieder Win-Win. Der Grund kann also nur sein, dass es wieder mal ums Geld geht. Dabei wäre das doch sogar netzschonend, da der Strom erzeugt wird, wo er gebraucht wird und der Klimaschutzaspekt wäre noch offensichtlicher.

Ein grüner Renault 5 an einer Ionity-Ladesäule unter brennender Sonne
Ein grüner Renault 5 an einer Ionity-Ladesäule unter brennender Sonne

Minuspunkt 3 – Schnellladersnobs

Ich musste wirklich schon lesen, dass ich ein Arschloch wäre, weil ich mit Kermit und dessen maximal 100 kW Ladeleistung eine 350 kW Säule blockiere und dann auch noch nicht daneben stehe und sofort bei 80% weiterfahre um später nochmal zu laden, sondern eben in Ruhe esse oder meinen Kaffee trinke und mir dadurch einen Ladestopp spare.

Für mich ist eine der größten Punkte der, dass ich jetzt das Laden mit anderen Dingen, die ich eh machen muss, kombinieren kann und nicht wie beim Tanken das Zeit ist, die obendrauf kommt. Flash-Charging und ultrahohe Laderaten, Welche die Akkus und die Infrastruktur unnötig teuer machen, sind für mich ein Irrweg. Gerade auf der Langstrecke ist es durchaus Sinnvoll und entschleunigend, längere Pausen einzubauen.

Und ja, ich schaue schon, dass ich ggf. an langsamere Säulen gehe. Aber wenn ich halt das Ionity-Abo gerade habe, weil es für meine Fahrt am geschicktesten ist, dann habe ich das Recht, die 350 kW-Säule zu besetzen, auch wenn ich keinen Xpeng Ultra Schnellladeakku habe.

Minuspunkt 4 – Die Ladestandsschätzung meines Renault

Ebenfalls vor kurzem passiert. Ich war auf dem Heimweg. Das Auto und dessen internes Google-Maps-System rechnen mir aus, dass ich bis zu einem Ladepunkt ca. 30 km von zuhause entfernt von meinen 80% Ladestand 67% verliere und ich mit 13 % dort ankäme um dann weitere 14% Akku bis nach Hause bräuchte.

Die Realität. Ich bin gemütlich mit 26% Akku vorbeigefahren und habe das Auto mit 17% in die Garage gestellt. Der Verbrauch wurde also um etwa 25% überschätzt. Nachdem ich das Auto jetzt über ein Jahr fahre. Mir ist bewusst, dass unterschiedliche Temperaturen und Dinge wie Regen und die Topographie den Verbrauch beeinflussen, aber ich erwarte von einem E-Auto-Navi, dass es diese Punkte berücksichtigt und in der Ladeplanung mitbenützt.

Aber so gebe ich auf die Berechnungen des Fahrzeugeigenen Systems nichts und plane meine Routen lieber frei im Kopf, ggf. mit der App meines derzeitigen Ladestromanbieters als Unterstützung, um zu schauen wo Säulen sind. Und bis auf einmal, kam ich immer mit mehr als ausreichend Luft dort an, wo ich hinwollte. Aber nicht jeder ist so gut im Kopfrechnen und so risikofreudig wie ich. Ich will nicht wissen, wie viele Leute wegen Renault schon öfter geladen haben, als sie mussten und länger brauchten als geplant.

Das Problem ist, dass solche Dinge Wasser auf die Mühlen der EV-Gegner sind. Je besser und genauer es funktioniert, desto bessere Werbung ergibt sich für die weitere Verbreitung von EV. Außerdem bekommen andere Hersteller wie Tesla oder Polestar das besser hin.

Minuspunkt 5 – Die Winterreichweite

Es begab sich zu Silvester 2025. Mein Auto hatte die Aufforderung auf 100 % zu laden irgendwie überhört. Also startete ich mit 80 % Akku zum Silvestertauchen. Aufgrund zeitlicher Probleme war ich auch gezwungen 130 zu fahren, Statt 115 im Eco-Modus. Am Tauchplatz hatte ich vor dem Tauchen noch 40 %, nach einer Stunde in der Kälte gab mir der Renault noch 36%, als ich mich auf den Rückweg machen wollte.

Ja, ich kam heim, auch dank Eco-Modus auf der Heimfahrt und der Tatsache, dass es im Mitttel bergab ging. Trotzdem ist es erschreckend, wenn man eine Strecke, über die man im Sommer noch nicht einmal nachdenkt, plötzlich nur noch knapp schafft. Wenn das Auto statt 400 km WLTP-Reichweite und über 300 km realer Sommerreichweite, im Winter plötzlich nur noch mit Ach und Krach 240 km schaffen würde.

Als Ingenieur ist mir natürlich klar, dass das Physik ist. Der Verbrauch steigt, weil ich mehr Heizen muss, die Winterreifen höheren Rollwiderstand haben und auch die nasse Fahrbahn den Rollwiderstand steigen lässt. Zusätzlich steigt bei niedrigen Temperaturen der Innenwiderstand der Batterie und die Batterie kann tatsächlich auch physisch weniger speichern, bzw. die besonders tief im Speichermaterial gespeicherten Lithiumionen lassen sich schwerer aus dem Material lösen. Aber trotzdem ist es als Anwender erschreckend.

Aber hier setze ich auf die Batterieforschung. Andere Chemien, wie zum Beispiel Natrium-Ionen-Akkus, sind hier nämlich weniger empfindlich und können helfen, das Problem in zukünftigen Fahrzeuggenerationen zu entschärfen. Allerdings haben sie natürlich andere Nachteile.

Fazit

Ich will nicht mehr zurück. Kermit ist einfach ein tolles Auto und ich bin, nicht nur wegen der finanziellen Vorteile, vom elektrischen Fahren überzeugt. (Muss ich ja auch berufsbedingt sein)
Ja, es gibt Dinge die nerven, aber auch beim Verbrenner gibt es negative Seiten. Und alleine das zuhause Laden und nicht nervös auf Tankstellenpreise schauen zu müssen ist schon einiges wert.

2 Kommentare zu „Renault 5 E-Tech – Erfahrungsbericht im Alltag: 1 Jahr später – was wirklich überzeugt (und was nervt)“

  1. Schön, dass ich deinen Blog gefunden habe! Sachliche und spannende Geschichten rund um die Elektromobiltät. Leider fehlt mir die Solaranlage ganz – als Miteigentümer in einer Wohnanlage ist das nicht so einfach. Auch ich versuche mit meiner Carmina (Renault 4 E-TECH ELECTRO 150 PS Comfort Range) Menschen zu zeigen, wie einfach der Umstieg sein kann, wenn man offen ist. Weiter so …

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