Ende August 2025 war es so weit. Das erste Elektroauto stand vor der Tür und ersetzte unser altes „kleines“ Auto.
Das alte war ein Seat Ibiza 6J, 1,2 TSI, DSG mit 105 PS/88 kW welchen ich 2016 als Jahreswagen gekauft habe, weil Carsharing sich bei 1-2x im Monat 1100 km zur damaligen Freundin nicht mehr auszahlte. Gekauft hatte ich den Ibiza für 12.500 €, verkauft für 2350, also in Summe ein Wertverlust von ~10150 € über 9 Jahre und ~120.000 km. Da ich über das Auto noch nicht so akribisch Buch geführt habe, kann ich leider keine TCO-Rechnung aufstellen. Schade eigentlich.
Der neue war Kermit. Genau dieses Auto wurde ausgewählt, weil mir:
1. Das Auto seit erscheinen verdammt gut gefiel
2. Außer dem für mich potthässlichen Inster zu diesem Zeitpunkt keine Konkurrenz in dieser Größe existierte
3. Die grüne Farbe mit schwarzem Dach und rotem Zierstreifen einfach zu sterben schön ist
4. Im Gegensatz zu anderen verfügbaren Fahrzeugen das rundum Parksensorenpaket enthalten war.
Nachdem aber nun wieder August ist, ist es Zeit eine kurze Bilanz zu ziehen
Fahrstrecken
Gefahren habe ich im ersten Jahr insgesamt 19.700 km, was 1642 km/ im Monat entspricht. Das sind 697 km mehr, als in den ersten 7 Monaten des Jahres 2025 mit dem Seat zurückgelegt habe. Gleichzeitig ging die durchschnittliche Kilometerleistung unseres „großen“ Autos (Ein Skoda Scala 1,0 TSI, DSG) um 560 km/Monat zurück. Es hat also eine reale Verlagerung von Fahrstrecke auf das kleinere Auto stattgefunden. Zusätzlich bin ich dieses Jahr wohl auch mehr gefahren. Wie sich das auswirkt, dazu später.
Gefahren wurde überwiegend im Umkreis von <200 km um unseren Wohnort, die Absolut am häufigsten gefahrene Strecke war zu meiner Arbeitsstelle. Aber auch zum Tauchen an den nahegelegenen Seen und für Wochenendtrips zu den Schwiegereltern und Freunden wurde nun öfter der „Kleine“ genommen, da dieser nun als 4-Türer spürbar besser geeignet war um die Hunde in ihrer Box auf der Rückbank zu transportieren. Sogar 2 Langstreckentrips wurden unternommen (siehe die beiden extra Erfahrungsberichte hier und hier)
Gerade die Reichweite im Winter ist, gewöhnungsbedürftig aber man kann damit umgehen. Trotzdem kam es zu in Summe 3 ungeplanten Ladestopps an einer Schnellladesäule. Trotzdem kann man im Winter schnell mit nur etwa 200 km Reichweite dastehen.

Die Tendenz der gefahrenen Strecke ist deutlich steigend. Man musste sich erst ans neue Auto gewöhnen
Verbrauch
Der Verbrauch lag, an der Wallbox gemessen bei 19,7 kWh/100 km. Für so ein kleines Auto, ist das ein Brett. Aber gleichzeitig fahre ich auch überdurchschnittlich viel Autobahn und gerade im Winter merkt man das Vorheizen von der Wallbox deutlich. Das sind pro Arbeitstag schnell mal 1 kWh.

Der Stromverbrauch folgt nicht ganz der Strecke. Im Winter steigt er drastisch
Das Auto
Ich bin ehrlich, vollauf zufrieden mit dem Fahrzeug. Es hat alle modernen Annehmlichkeiten, vom Adaptiven Tempomaten mit Geschwindigkeitserkennung bis zum Kollisionswarner und der Rückfahrkamera. Die Software lässt sich super und flüssig bedienen und das Auto tut, was man ihm sagt. Auch die von vielen gescholtenen modernen Assistenten wie die Warnung bei Geschwindigkeitsüberschreitung stören nicht wirklich, da es zwei mal „bing bing“ macht und dann ist Ruhe im Karton.
Nachteilig ist, dass sich Reno nach jedem Update vorstellen will, bei Updates immer der Tageskilometerzähler und die Verbrauchsanzeige zurückgestellt werden und der viel zu laute Blinker wieder leise gestellt werden muss. Auch damit kann ich Leben.
Für alles Wichtige inkl. Der Klimabedienung gibt es Knöpfe, ansonsten hilft Sprachassistent Reno. Ein Service den ich hin und wieder in Kauf nehme, wenn ich zum Beispiel auf kurviger Straße die Hände nicht vom Lenkrad nehmen will oder mich nicht durch irgendwelche Menüs suchen möchte. Und es funktioniert wirklich.
Der Innenraum passt für mich. Selbst das Doppel-12 Tauchgerät mit kompletter Ausrüstung zum Trockentauchen und etwas Kleinkram passen mit dem kleinen Teil der Rückbank umgelegt in den Kofferraum. Oder 2 Einkaufsklappboxen + mehrere 6Pack Getränke, sogar ohne umklappen. Oder, oder, oder. Für 2 Personen + 2 Chihuahuas im Alltag also vollkommen ausreichend. Die Verarbeitung hat mich sehr positiv überrascht, nachdem frühere Renaults hier einen eher schlechten Eindruck bei mir hinterlassen hatten.
Ein Gamechanger verglichen mit Verbrennerfahrzeugen ist die Ruhe. Ich kann jetzt bei Fahren auch komplexe Podcasts hören, weil ich ihnen folgen kann, ohne die Lautstärke auf Motörheadkonzert zu stellen. Und auch Gespräche im Auto sind viel leichter und ruhiger möglich.
Wirtschaftlichkeit
Die Anschaffungskosten waren inkl. 270€ für die Zulassung (Österreich), 240 € für die erste Inspektion, 1300 € für Winterreifen auf Alufelgen und 519 € für den Gemini Flex Charger 32015 €, von welchen 20.000 € über einen Bankkredit und die Restliche Summe aus Rücklagen + Verkaufserlös des Seat aufgebracht wurden. Dieser Kredit hat mich bislang 250 € Bereitstellung +340 € an Zinsen gekostet. Vom Charger konnte ich allerdings 260 € als Förderung wieder bekommen.
Alternativ stand damals im Raum, einen neueren Seat Ibiza zu nehmen. Dieser hätte in meiner Konfiguration auch schon gut 26.000 € gekostet, hätte also kurzfristig nur ca. 6000 € gespart.
Versicherung sind knapp unter 120 € im Monat und damit etwa 24 € mehr, als mich der Seat zuletzt in Teilkasko kostete. Ein neuer Ibiza wäre aber laut Durchblicker.at im selben Range.
Das Auto wird überwiegend zuhause geladen. Für die langen Fahrten wurden vorrübergehend Monatsabos für Schnellladesäulen abgeschlossen. Damit komme ich auf Treibstoffkosten von 0,04 €/km. Dies ist spürbar unterhalb der 0,10 €/km die der Ibiza 2025 brauchte. Und auch ein neuerer Ibiza würde vermutlich gleich viel brauchen wie unser Skoda mit gleichem Motor, was in den vergangenen 12 Monaten im Schnitt Kosten von 0,09 €/km entspräche. In Summe ergibt sich damit eine Ersparnis von 1286 € gegenüber dem „alten“ Fahrzeug und von 1184 €, wenn man mit hineinrechnet, dass ja Strecken vom Skoda auf den Renault herüber gewandert sind. Und auch gegenüber einem Neuen Ibiza würde ich ~6 Jahre brauchen, bis ich die Mehrkosten herinnen habe. Bei 10 Jahren geplanter Haltedauer Also ein klares Plus für den Elektroflitzer. Ich habe dabei den PV-Strom meiner Anlage, immerhin 35%, mit der entgangenen Einspeisevergütung angesetzt. Setze ich diesen mit 0,00 €/kWh an, kann ich mir das natürlich „schöner“ rechnen.
Spannenderweise, obwohl ich eigentlich im Februar, März und April mit höherem PV-Anteil gerechnet komme ich ziemlich genau auf denselben PV-Anteil wie ich in meiner ursprünglichen Modellierung für die Kosten gerechnet habe. Damals kamen 32% raus.
Setzt man für Alle Fahrzeugvarianten also mal pauschal 800 € alle 4 Jahre für Reifen an (vermutlich eher tief gegriffen) und rechnet die Wartungskosten des Seat gegen die spürbar geringeren des Renaults, so komme ich derzeit auf 210 €/Monat + Rate für den Renault, vs. 313 € für den Seat. Bei letzterem käme aber noch der Ärger jedes Jahr bei der Pickerluntersuchung dazu. Ein „Neuer“ Seat wäre sogar bei 343 € + Rate, da VW echt irre Preise für den Service nimmt, auch wenn dieser seltener fällig ist.
Ausblick:
Dieses Jahr werde ich die Fahrtstrecken sicher weiter nach oben jagen. Der Skoda wird derzeit nur noch bei Bedarf gefahren, also wenn entweder der Platz benötigt wird, die Strecke nicht ohne Laden unterwegs zu bewältigen wäre oder ohnehin beide Autos gleichzeitig fahren müssen. Das Außenladen versuche ich zu vermeiden, da ich ab etwa 0,52 €/kWh mit Benzin Tanken derzeit billiger fahre als mit Strom.
Fazit:
Ein neues Auto fühlt sich immer wieder gut an. Und auch wirtschaftlich macht es Sinn. Zwar muss man gute 6 Jahre Fahren, bis man alleine über den „Treibstoff“ die Kosten drin hat, Vollkosten gerechnet ist man aber schon bei weniger als 4 Jahren (45 Monate)
