Photovoltaik im ersten Halbjahr 2026 – Tränen laufen kräftig

Der Jahresvergleich des ersten Halbjahres zwischen 2025 und 2026 kann einem die Tränen in die Augen treiben. Die Erzeugung sinkt, der Strombedarf steigt und damit der Netzbezug. Nur niedrige Strompreise und ordentliche Einspeisevergütungen im zweiten Quartal retten das Ergebnis

Aber der Reihe nach

Die Ausgangslage: gleiche Anlage, andere Realität

Die Anlagenbeschreibung findet ihr hier

Keine relevanten Änderungen an Haus, Technik oder Nutzerverhalten

Seit August 2025 mit E-Auto

Der Blick auf die Energiedaten

Im ersten Halbjahr 2026 wurden 4333 kWh Strom erzeugt. Davon wurden 2145,66 kWh selber verbraucht uns 2015,54 kWh eingespeist. Weitere 173 kWh sind irgendwo in Rundungsfehlern und zwischen verschiedenen (nichtgeeichten) Messeinrichtungen verloren gegangen.

Der Verbrauch hingegen betrug 2933 kWh im Haus + 2049 für das Auto. In Summe als 4972 kWh. Noch nicht einmal bilanziell, konnte ich meinen gesamten Verbrauch mit der Anlage decken. Die Differenz Aus dem Netz betrug demnach 2836 kWh

Verglichen mit dem ersten Halbjahr des Vorjahres fehlen 380 kWh Erzeugung. Der Eigenverbrauch war 2025 mit 1726 kWh niedriger, die Einspeisung dementsprechend mit 2900 kWh höher. Auch hier fehlen etwa 87 kWh, die irgendwo im System untergegangen sind.

Der Verbrauch im letzten Jahr waren 2839 kWh im Haus, das E-Auto existiere noch nicht.

Hinsichtlich der reinen Erzeugung bin ich, und es kann nicht anders ausgedrückt werden, enttäuscht. Und auch der gestiegene Hausverbrauch zipft mich leider ziemlich an, vor allem da es nicht gerade wenig war.

Anlagenperformance im ersten Halbjahr 2025. Schon ab April sinkt der Eigenverbrauch und der Verkauf legt massiv zu

Im Vergleich Dazu 2026. Nur im Mai übersteigt der Verbrauch das Vorjahr und im Juni fällt er sogar unter das Mainiveau

Wirtschaftsdaten, was sagt das Geld

Hier schaut die Welt etwas besser aus, dem E-Auto sei Dank.

Die Einspeisevergütung dieses Jahr betrug bislang ~135 €, der Eigenverbrauch summiert sich auf satte ~479 €. Vergleichen wir das wieder mit dem Vorjahr so sinkt die Einspeisevergütung (2025 waren es ~172 €) und auch die Erlöse aus dem Eigenverbrauch sanken leicht (2025: 474 €) In Summe stehen also nach Abzug der Versicherungskosten 588 € für 2026 da. Das waren im letzten Jahr noch 635 €.

Ursachenanalyse: Wo sind die kWh geblieben:

Sonnenscheindauer
20262025
Januar76,144,9
Februar36100,8
März157,7169,6
April212,6222,4
Mai286,1214,5
Juni275,5298,2

Ich habe die offiziellen SPARTACUS‑Klimadaten für meinen Standort ausgewertet – konkret Temperatur, Sonnenscheindauer und Niederschlag für Jänner bis Juni 2025 und 2026.

Sonnenschein: die Erklärung für den geringeren PV‑Ertrag

Mit Ausnahme von Januar und Mai, zeigen sich jeden Monat deutlich weniger Sonnenstunden. Wobei der Februar am brutalsten war. Gerade von den Januarsonnenstunden konnte ich allerdings nicht profitieren weil diese zu Zeiten stattfanden als Schnee auf der Anlage lag (Im Dezember und Januar hatte ich mehrfach die Situation, dass Regen langsam in Schnee überging, der dann auf der Anlage festfror, statt abzurutschen). Im Februar hat die Anlage so gesehen sogar überperformt, weil sie aus 64 % weniger Sonne nur 42 % weniger Strom gemacht hat.

Die weniger Sonnenstunden im Juni tat sicher auch deshalb weh, weil hier die Sonne an höchsten steht, was bei meinem steilen Ost-West-Dach gleich RICHTIG ins Gewicht fällt. Den positiven Ausreißer im Mai sieht man zwar auch in den Erzeugungsdaten, aber er reicht einfach nicht aus, um das Gesamtergebnis irgendwie positiv zu beeinflussen. Obwohl also die Gesamtsonnenstundenzahl in beiden Jahren ähnlich war, kam bei mir deutlich weniger an. Und Sonnenstunden  im Juni sind offenbar mehr wert als im Januar.

Temperatur: warum die Wärmepumpe mehr Strom brauchte

Temperatur
20262025
Januar-2,30,4
Februar3,51,6
März7,47,1
April10,612,4
Mai16,313,7
Juni21,420,9

Der kalte Januar korreliert lustigerweise genau mit dem Monat, wo ich die größte Abweichung zum Vorjahr im Verbrauch sehe. Das lässt sich durch die Wärmepumpe sehr gut erklären. Auch im Februar, wo die Temperaturen etwas höher waren, sehe ich einen sinkenden Verbrauch. Im März ist der Unterschied sehr gering, während der April wieder mit Mehrverbrauch auffällt, der Mai durch geringeren Verbrauch. Nur der Juni fällt aus dem Rahmen mit Mehrverbrauch trotz höherer Temperatur. Hier muss aber gesagt werden, dass die Hitzewelle in den letzten beiden Wochen eine ausgeprägte Schafskälte in der Woche zuvor ausglich, und angesichts des geringeren Verbrauchs im Juni natürlich jeder Tag den die Wärmepumpe arbeitet sich deutlich auswirkt.

Das Erste Halbjahr 2025. Ab April fast autark und im Juni unter 200 kWh

Stattdessen 2026. Der Mehrverbrauch ist nicht nur das E-Auto…

Und wo blieb das Geld?

Hier zeigt sich ganz klar, dass weniger Erzeugung zu weniger Einspeisung führt (auch ohne erhöhten Verbrauch) was dann wiederum zu weniger Einspeisevergütung führt. Wobei mich die stärkeren Monate April bis Juni auch durch verglichen mit dem Vorjahr deutlich höhere Einspeisevergütung noch gerettet haben.

Beim Eigenverbrauch macht sich leider der günstigere Stromtarif bemerkbar, da ich im Umkehrschluss auch fast 7 Cent pro selbst verbrauchter kWh weniger anrechnen kann. Gerade in traditionell Verbrauchsstarken Monaten mit fast 100% Eigenverbrauch, macht sich dann natürlich auch der geringere Ertrag noch bemerkbar.

Erst seit April kommt überhaupt genug Strom an, dass ich überhaupt genug zusätzlichen Eigenverbrauch zusammen bekomme, dass es positiv wird. Leider reichte das nichtmehr aus, um die ersten drei Monate auszugleichen.

Fazit und Ausblick

Den Traum von riesiger Autarkie und hohen Eigenverbrauchsquoten, den ich bei der Installation der Anlage vor knapp 2 Jahren hatte, der ist mittlerweile ausgeträumt. Der Ertrag ist niedriger, als ich mir damals erhofft habe und damit auch die resultierenden Einnahmen.

Zwar ließe sich durch besseres Energiemanagement (sprich ich bekomme irgendwie das Auto laden besser geregelt) sicherlich noch einzelne Prozente holen, aber Wunder sind da keine mehr drin. Trotzdem werde ich das bald angehen. KI und Modbus machen es möglich

Graue Winter bzw. Schnee an den wenigen schönen Tagen geben dem ganzen noch den Rest, wenn ausgerechnet in der Verbrauchstarken Zeit, die Erträge so richtig mickrig sind.

Etwa zwiegespalten ist das steile Dach zu sehen. Im Sommer und vor allem im Frühjahr kostet es mich einiges an Ertrag, weil es einfach lange dauert, bis überhaut einmal beide Flächen bestrahlt werden. Hier sind Flachdach Konstruktionen mit flacherem Modulwinkel im Vorteil. Im Winter rettet es aber sicher die ein oder andere kWh, weil die flach einfallende Sonne in deutlich günstigerem Winkel steht.

Die fehlenden Südpaneele hauen einfach zu sehr rein beim Ertrag. Aber hier denke ich gerade darüber nach, das System durch ein mit Paneelen überbautes Balkonkraftwerk auf der Garage zu ergänzen. Gerade im Winter glaube ich, dass ich dadurch die ein oder andere kWh noch generieren kann. Aber das setzt auch erst einmal das Energiemanagement voraus. Meine PV-Anlage erkennt die Garage nämlich als „Netz“ und ich muss dann also den Strom von der Garage aus dem „Netz“ in meinen Speicher laden. Wird sicher spaßig, bis ich das am laufen habe.

Aber am Ende bleibt festzuhalten, dass das Geld ausgegeben ist, die Anlage mit massiv Geld spart und für wenigstens ein paar Einnahmen sorgt. Und damit habe ich eine höhere Rendite, als wenn ich die selbe Summe in eine Sondertilgung meines Hauskredits gesteckt hätte. Also, alles gut.

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